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Die Frau aller Völker und das Jahr
des Rosenkranzes
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Homilie Seiner Seligkeit Kardinal Ignace Moussa
I. Daoud,
Präfekt der Kongregation für die Orientalischen Kirchen,
emeritierter Patriarch der syrokatholischen Kirche von Antiochien
Amsterdam, Pfingstsonntag 8. Juni 2003
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1. Es ist für mich eine große
Ehre und eine wirkliche Freude, zum dritten Mal bei einem Gebetstreffen zu Ehren
der Frau aller Völker
hier in Amsterdam zu sein.
Indem ich S.E., Msgr. Jozef Maria Punt, Bischof von
Haarlem/Amsterdam, für die liebenswürdige Einladung danke, so möchte
ich auch die Förderer dieses Gebetstages, vor allem P. Paul Sigl und die
Familie Mariens der Miterlöserin und Sie alle, die Sie hier anwesend sind,
von ganzem Herzen begrüßen, sehr verehrte Mitbrüder im Bischofsamt,
liebe Priester, liebe Ordensmänner und -frauen, Jugendliche, Familien,
Pilger aus nah und fern, die Sie hierher gekommen sind, um die Frau
aller Völker zu ehren. Ich vereine mich mit Ihrem Glauben (liebe
Pilger), mit Ihrem Enthusiasmus, mit Ihrem Gebet um den Frieden, um die Verzeihung
und um die Liebe in der Welt. Möge Maria, der Mutter und Frau
aller Völker, unsere Verehrung wohlgefallen, möge sie uns erhören
und uns segnen!
2. Das Thema dieses Internationalen Gebetstages lautet:
„Die Frau aller Völker
und das Jahr des Rosenkranzes“. Es passt sehr gut zum Pfingstfest, das
wir heute begehen, als Maria inmitten der Apostel weilte als ihre Mutter und
Frau, um so die Frau aller Völker
zu werden.
In seinen wesentlichen Elementen ist dieses Thema sehr
bedeutungsvoll und von großer Aktualität. Es bietet uns die Möglichkeit,
zusammen das zu betrachten, was wir den Rosenkranz nennen, was das Jahr des
Rosenkranzes ist, und welche Bedeutung die Frau
aller Völker in diesem Rosenkranzjahr hat.
Am 16. Oktober 2002, hat der Hl. Vater, Johannes Paul
II., der Kirche und der Welt zwei Geschenke von unschätzbarem Wert gemacht:
das Apostolische Schreiben Der Rosenkranz der Jungfrau Maria und die Ausrufung
des Jahres des Rosenkranzes. Dieses päpstliche Schreiben beleuchtet mit
hellem Schein unsere heutige Betrachtung und jene dieses Jahres.
3. Der Oberste Hirte unterstreicht in erster Linie
die Früchte und die Macht des Rosenkranzes. Er schreibt: „In seiner
Schlichtheit und Tiefe bleibt der Rosenkranz ein Gebet von großer Bedeutung
und ist dazu bestimmt, Früchte der Heiligkeit hervorzubringen. (1)
Dann bekennt er: „Seit meinen Kinder- und Jugendjahren
hat dieses Gebet einen wichtigen Platz in meinem geistlichen Leben eingenommen.
... Der Rosenkranz ist mein Lieblingsgebet. Er ist ein wunderbares Gebet, wunderbar
in seiner Schlichtheit und seiner Tiefe.“ Und er schließt dieses
zweite Kapitel mit den Worten: „Wie viele Gnaden habe ich in diesen Jahren
von der Heiligen Jungfrau durch das Rosenkranzgebet empfangen.“ (2)
Und wer von uns hat nicht durch das treue Rosenkranz-Beten
Hilfe für sein persönliches Leben und für andere erfahren dürfen.
Seit meiner Jugend blieb ich dem Rosenkranzgebet treu und durfte dadurch viele
Gnaden erhalten.
Der selige Bartolo Longo, der „Apostel des Rosenkranzes“,
der im Apostolischen Schreiben als Beispiel zitiert wird und der in Pompeji
die Basilika zu Ehren der Gottesmutter erbauen ließ, rief die Menschen
zum Gebet und zur Verbreitung des Rosenkranzes auf, indem er betonte: „Wer
den Rosenkranz verbreitet, wird gerettet.“
Der Hl. Vater seinerseits bekennt auch, dass er keine
Gelegenheit verabsäumt (hat), um zum häufigen Rosenkranzgebet zu ermutigen
(2).
4. Während ich Sie einlade, fleißig den
Rosenkranz zu beten, mit der Gewissheit, dass das die besten Früchte zeitigt,
möchte ich Ihre Aufmerksamkeit jetzt auf das lenken, was der Grund dieser
Verehrung ist.
(Das Gebet des Rosenkranzes) ist ein christozentrisches
Gebet (d.h. das auf Christus hinweist), wie uns das Apostolische Schreiben lehrt
(1). Auf dem Hintergrund des Ave Maria lassen wir die wesentlichen Ereignisse
aus dem Leben Jesu vorbeiziehen, sagt der Papst.
In der Tat betrachten wir die freudenreichen oder die
lichtreichen, die schmerzhaften oder glorreichen Geheimnisse; wir stehen vor
Christus, unserem Herrn und Meister. Wir erleben die Geheimnisse Seiner Kindheit
und Seines öffentlichen Lebens, Seines Leidens und Seiner Auferstehung,
weshalb Johannes Paul II. sagt, dass der Rosenkranz „die Zusammenfassung
des Evangeliums“ ist (19).
5. Angesichts der dramatischen aktuellen Weltlage hat
der Papst noch einmal dazu aufgerufen, besonders das Antlitz Christi, „unseres
Friedens“ zu betrachten.
Indem er auf die alarmierende Weltsituation nach dem
schrecklichen Attentat vom 11. September 2001 hinweist (und die er nach dem
abscheulichen Krieg im Irak mit seinen verheerenden Auswirkungen wiederholte),
bestätigt Johannes Paul II., dass die Wiederentdeckung des Rosen-kranzes
bedeutet, sich in die Geheimnisse dessen zu vertiefen, der „unser Friede
ist“, der aus zwei Völkern ein einziges machte, indem er »die
beiden Teile vereinigte und die trennende Wand der Feindschaft (den Hass) niederriss«
(Eph 2,14). (6)
Wie wir feststellen können, fehlt unserer zerrissenen
Welt das wesentliche Fundament des sozialen Lebens, der Friede. Noch nie war
die Welt so sehr gespalten wie heute. Noch nie gab es so viele durch Hass errichtete
Mauern zwischen den Völkern.
Wir brauchen den Frieden! Also brauchen wir Christus
„unseren Frieden“! Durch Sein Erlöserleiden hat Er den Menschen
mit Gott versöhnt. Er hat Barrieren niedergerissen und durch Seine Liebe
den Hass ausgelöscht.
Flehen wir zu Ihm, damit Er unserer Welt den Frieden,
die Gerechtigkeit, die Freiheit, die Verzeihung, die Liebe schenken möge.
6. Das ist es, was Jesus will! Aber (Er will es) durch
Maria, die immer innig mit Seinem Leben und Seinem Werk vereint war. Ninfo,
ein bekannter byzantinischer Schreiber, sagte einmal: „Nach dem Mittler
ist Maria die Einzige, die Mittlerin der ganzen Welt“ (Spiteris, S. 200).
Das Leben Mariens war innig mit dem Leben Jesu verbunden.
Man kann sagen, dass Maria nur aus Ihm lebte. „Die Geheimnisse Christi
sind in gewisser Weise auch die Geheimnisse Seiner Mutter“ (24).
Man kann die Geheimnisse Jesu gut mit den Augen Mariens
betrachten. Deshalb ist der Rosenkranz, nach den Worten des Papstes, „der
Weg Mariens“, und das Gebet des Rosenkranzes bereitet Maria die größte
Freude. Das ist es doch, was einer Mama Freude bereitet: die schönsten
und eindrücklichsten Ereignisse, Begebenheiten und Abschnitte im Leben
ihres Kindes in Erinnerung zu rufen.
Wenn wir uns zusammen mit dieser Mutter bedeutende
Ereignisse ins Gedächtnis rufen und sie mit ihr teilen, bedeutet das sicher,
ihr große Freude zu bereiten. Ist es nicht das, was wir durch das Gebet
des Rosenkranzes machen?
Tatsächlich erkennt Maria in dieser Frömmigkeit
den höchsten Ausdruck unserer kindlichen Liebe. Sie wird dadurch im Tiefsten
ihrer Seele, die in Dankbarkeit jubelt, berührt, und sie beeilt sich, uns
zu helfen.
Mehr denn je brauchen wir diese Fürbitte. „In
Zeiten, in denen die Christenheit selbst bedroht war, hat dieses Gebet zur Errettung
aus Gefahr beigetragen und die Jungfrau vom Heiligen Rosenkranz wurde als Mittlerin
zum Heil verehrt.“ (39). In den heutigen Bedrohungen und modernen Konflikten
suchen wir (erneut) unsere Zuflucht bei Maria.
Jesus vertraute sie Johannes an, indem Er ihm sagte:
„Siehe, deine Mutter!“ Indem sie Mutter des Johannes geworden ist,
ist sie Mutter der Jünger Jesu und so Mutter der Kirche und der Menschheit
geworden. Die evangelische und theologische Logik möchte heute einen neuen
Titel hinzufügen, mit dem sie verehrt werden möchte: Frau
aller Völker. Sie wird für Völker fürbitten, die
in Konflikt geraten sind. Die „Frau der Vereinigten Staaten“ ist
auch die „Frau des Irak“. Die Frau aller Völker des Westens
ist auch die Frau aller Völker des Ostens. Durch ihre Vermittlung bei ihrem
Sohn wird sie aus allen Völkern der Erde ein einziges (Volk) formen. Sie
wird die Barrieren niederreißen und den Frieden, die Verzeihung und die
Liebe bringen.
7. Die Verehrung Mariens, der Frau aller Völker,
wie es die Deklaration des Bischofs von Haarlem ausdrückt, verbreitet sich
immer mehr im geistlichen Leben von Millionen von Menschen auf dem ganzen Erdkreis,
dem sich auch viele Bischöfe anschließen. Erfahrungen von Bekehrung
und Versöhnung wie auch Zeugnisse über erhaltene Gnaden auf die Fürbitte
Mariens, der Frau aller Völker, stärken unser Vertrauen auf sie und
unsere Liebe zu ihrem göttlichen Sohn.
Mit großer Freude begrüßen wir die
offizielle Erklärung Seiner Exzellenz, des Bischofs von Haarlem, die er
am 31. Mai 2002 veröffentlichte, wo er den übernatürlichen Ursprung
der Erscheinungen der Frau aller Völker in Amsterdam, in den Jahren 1945
bis 1959 anerkennt.
Mit Vertrauen wenden wir heute unsere Bitte an Maria,
die Frau aller Völker.
8. Ja! Maria, Frau aller Völker, reiß die
trennenden Mauern zwischen den Völkern nieder.
Maria, Frau aller Völker, vernichte den Hass, der die Völker trennt.
Maria, Frau aller Völker, streue in die Herzen aller Völker den Samen
der Vergebung, der Versöhnung, der Liebe.
Wir wollen keinen Krieg mehr, keine Gewalt und keinen
Terrorismus.
Frau aller Völker, mach, dass die Kriege aufhören,
Konflikte gelöst, Spannungen überwunden werden und Gewalttaten unter
den Völkern aufhören.
Maria, Frau aller Völker, hilf uns, den
Weg für ein Neues Pfingsten des Heiligen Geistes vorzubereiten, der allein,
wie es unser Bischof ausgedrückt hat, die Wunden unserer Zeit zu heilen
vermag.
Amen
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