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Liebe Mitbrüder im Bischofsamt, liebe Priester,
liebe Pilger,
ganz herzlich begrüße ich Sie, die
Sie von allen Kontinenten der Welt nach Amsterdam gekommen sind, um die
Frau aller Völker zu ehren. Wie die Apostel im Abendmahlsaal wollen
wir an diesem Pfingstfest versammelt um Maria, die Miterlöserin,
um das Kommen des Hl. Geistes für die ganze Kirche und Welt flehen.
Niemand von uns zweifelt, dass wir heute in besonderer
Weise den göttlichen Beistand des Hl. Geistes brauchen. Wir stehen
vor der Gefahr eines dritten Weltkrieges, der leicht zu einer weltweiten
Katastrophe führen kann. Dabei gibt sich der Feind erst im Moment
des Angriffs zu erkennen. Terrordrohungen und Terroranschläge, wie
jener in Madrid, versetzen die ganze Welt in Angst. Die geschulten Selbstmordattentäter
bekennen offen: „Wir lieben den Tod!“ Dazu kommt, dass die
wirtschaftliche und soziale Situation in unseren Ländern weitgehend
besorgniserregend ist. Aber wir Christen stehen dem keineswegs machtlos
gegenüber.
Als der Hl. Vater 1987 in Kevelar war, sagte
er während der Predigt: „Das Schicksal der Menschheit wird
nicht in Berlin, Washington, Moskau oder Rom geschrieben. Nicht an den
Tischen der Politiker und der Großen dieser Welt entscheidet sich
das Weltgeschehen, sondern dort, wo gebetet wird, und das ist vor allem
in den marianischen Heiligtümern.“ Darum sind wir heute hier.
Wir glauben, wie der hl. Johannes Chrysostomus lehrte: „Der betende
Mensch hält das Steuerrad der Geschichte in Händen.“
In Fatima hatte die Gottesmutter zum Rosenkranzgebet
und zum Opfer aufgerufen, um das Ende des ersten Weltkrieges zu erringen.
Sie sprach bereits 1917 offen von der Gefahr eines zweiten Weltkrieges,
wenn man nicht tut, was Gott wünscht: nämlich die Weihe Russlands
und der ganzen Welt an das Makellose Herz Mariens zu vollziehen. Als Papst
Paul VI. 1967 nach Fatima pilgerte, rief er mit flehender Stimme: „Menschen,
seid Menschen! Erweist Euch würdig für das göttliche Geschenk
des Friedens. Seid gut, seid weise, seid großherzig! ... Der Friede
ist ein Geschenk, das wir erbitten müssen und das nur Gott geben
kann, aber für dieses Geschenk braucht es unsere persönliche
Mitarbeit!“
Gerade die Botschaft von Fatima ist ein dramatisches
Beispiel dafür, welche Auswirkung die freie Entscheidung des Menschen
hat. Hätten wir getan, worum die Gottesmutter 1917 gebeten hat, wäre
der Zweite Weltkrieg verhindert worden. So hatte sie es im Namen Gottes
versprochen.
Heute stehen wir wieder vor solch einer Entscheidung. Im Weihetext vom
8. Oktober 2000 beschreibt Johannes Paul II. unsere Situation. Da heißt
es: „Wir Männer und Frauen leben in einer außergewöhnlichen
Zeit, die zugleich verheißungsvoll und schwierig ist. Die Menschheit
besitzt heute nie dagewesene Mittel zur Macht: Sie ist imstande, diese
Welt zu einem blühenden Garten zu machen oder sie völlig zu
zerstören. … Die Menschheit steht heute an einem Scheideweg
wie nie zuvor. Die Rettung, o heiligste Jungfrau, ist wiederum dein Sohn
Jesus allein.“
Die Frau aller Völker hat unsere Zeit in
den Botschaften von Amsterdam schon vor ca. 50 Jahren beschrieben. 1951
sagte sie: „Diese Zeit ist unsere
Zeit! Damit meine ich das Folgende: Die Welt ist in Verfall und Verflachung,
sie weiß nicht ein noch aus. Darum sendet
mich der Vater, um Fürsprecherin
zu sein, so dass der Heilige Geist kommen möge. Denn
die Welt wird nicht mit Gewalt gerettet, die Welt wird durch den Geist
gerettet werden.“
(29. 4.1951) Diesen Geist aber können wir nur durch Gebet erflehen.
Wo immer die Gottesmutter in den letzten 150
Jahren erschienen ist, sei es in La Salette, in Lourdes, in Fatima und
an vielen anderen Orten auf der ganzen Welt, steht die Bitte um das Gebet
im Zentrum ihrer Botschaft, so auch hier in Amsterdam: „Betet
dieses Gebet bei allem, was ihr tut!“ (31.12.1951)
„Ich gebe dir die Versicherung, dass die Welt sich ändern wird!“
(29.4.1951)
Wie oft schon durften gläubige Menschen
die Macht des Gebetes erfahren. Denken wir nur an die großen Gestalten
des Alten Testamentes, an Abraham oder an Mose. Solange Mose die Arme
betend zu Gott erhob, siegte das Volk Israel gegen seine Feinde. Auch
im Kampf zwischen David und Goliath erwies Gott seine Macht, denn David
vertraute Jahwe ganz. Er sagte: „Der Herr, der mich aus der Gewalt
des Löwen und des Bären gerettet hat, wird mich auch aus der
Gewalt dieses Philisters retten.“ (1Sam 17,37)
Nach seiner ersten Fatimareise im Jahre 1982
fragte mich der Hl. Vater: „Wann werden wir wohl Russland bekehren
können?“ Damals gab es noch keine Aussicht, dass der eiserne
Vorhang einmal fallen könnte. Ich antwortete ihm, indem ich P. Pio
zitierte: „Wenn wir so viele Gläubige gefunden haben, wie es
Ungläubige, Atheisten in Russland gibt.“ Und ich habe hinzugefügt:
„Das ist die Botschaft von Fatima.“ Heute hat die Gottesmutter
dieselbe biblische Sendung, die einst Abraham anvertraut war. Als Sodom
und Gomorra vor der Vernichtung standen, sprach Gott zu sich selbst: „Soll
ich Abraham verheimlichen, was ich vorhabe?“ (Gen 18,17b)
Wie sehr möchte doch Gott den Menschen in Seine Pläne mit einbeziehen.
Als Abraham erfahren hatte, welches Unheil über die beiden Städte
kommen sollte, begann er, mit Gott zu verhandeln. Er sagte: „Vielleicht
gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt. Willst du auch sie vernichten
und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten dort?“
Der Herr antwortete: „Wenn ich in Sodom ... fünfzig Gerechte
finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben.“ (Gen 18) Und
Abraham handelte mit Gott, bis Er ihm versprach, auch für 10 Gerechte
die Stadt zu verschonen. Leider gab es keine zehn Gerechten mehr. Hätte
doch Abraham mehr Glauben gehabt, und hätte bis auf fünf heruntergehandelt,
so wäre vielleicht die ganze Stadt gerettet worden.
Leicht können wir der Versuchung erliegen,
diesem Zeugnis nicht so recht zu glauben. Liegt es doch weit in der Vergangenheit
zurück. So mögen uns die Schriften der großen, polnischen
Heiligen der Göttlichen Barmherzigkeit, Sr. Faustyna Kowalska, in
unserem Glauben helfen.
Sie schreibt: „Eines Tages sagte mir Jesus,
Er werde über eine Stadt, die schönste in unserem Vaterland,
die Strafe herabkommen lassen, mit der Gott Sodom und Gomorra gestraft
hatte. … Schauer erfüllte und durchbohrte mein Herz. Mit Schweigen
betete ich. Nach einer Weile sagte mir Jesus: „Mein Kind, während
des Opfers vereinige dich eng mit Mir und opfere dem Himmlischen Vater
Mein Blut und Meine Wunden als Sühne für die Sünden dieser
Stadt. Wiederhole dies ununterbrochen während der ganzen hl. Messe
sieben Tage lang.’ Am siebten Tag erblickte ich Jesus voll Güte.
… Er sagte: „Für dich
segne Ich das ganze Land“ (39)
Einige Monate später bestätigte der Herr Sr. Faustyna, dass
ihre Gebete und Opfer weltweite Auswirkungen haben: „Meine Tochter,
… deinetwegen segne Ich den ganzen
Erdkreis.“ (431) „… viele Strafen halte Ich zurück,
… allein deinetwegen. …
Mit deiner Liebe bindest du Mir die Hände.“ (1192) Sr. Faustyna,
war so eine Gerechte, die wie einst Abraham vor Gott Fürsprache hielt.
Durch ihr Gebet, ihr Opfer und ihr Vertrauen ist sie unzähligen Menschen
Gnadenvermittlerin geworden ist.
Der Hl. Vater fragte mich: „Wie viele Gerechte
braucht es heute wohl, um die Welt zu retten?“ Ich konnte ihm nur
antworten: „Das weiß Gott allein. Doch die Gottesmutter wird
uns so lange keine Ruhe lassen, bis sie die notwendige Anzahl von Gerechten
gefunden hat.“
Aus diesem Grund kam sie auch hierher nach Amsterdam.
Sie selbst hat jeden von uns hierher geführt. Das aber bedeutet eine
große Verantwortung. Wir müssen tun, worum uns die Gottesmutter
und der Hl. Vater als Stellvertreter Christi bitten, dann können
wir - wie die hl. Faustyna - viel Unheil verhindern. Nur weil die Diener
auf der Hochzeit von Kana auf Maria gehört und die Krüge mit
Wasser gefüllt haben, hat Jesus sein erstes Wunder gewirkt. Auch
wir müssen tun, was uns Maria sagt, dann wird Gott Seine Wunder auch
heute wirken.
Danken wir Gott, dass wir in dieser apokalyptischen
Zeit leben dürfen und in den Endkampf zwischen Satan und der Frau
involviert sind, wie es der hl. Johannes in der Apokalypse beschreibt.
Am Fest des hl. Erzengels Michael, der ja auch im Namen Gottes den Kampf
gegen Satan gewonnen hat, rief Johannes Paul II. die ganze Welt flehentlich
zum Gebet auf. Er sagte:
„Wir befinden uns in einer äußerst gespannten internationalen
Lage. In einigen Teilen der Welt,– ich denke besonders an das gequälte
Land Christi - sind die Auseinandersetzungen heftiger als in anderen.
Die Bemühungen der Politik sind zwar notwendig, nützen aber
wenig, wenn die Herzen … verbittert und uneinsichtig und deshalb
unfähig sind, den Dialog hoffnungsvoll wieder anzuknüpfen. Aber
wer außer Gott kann die Herzen verändern? Deshalb ist es notwendiger
denn je zuvor, daß das Gebet für den Frieden aus der ganzen
Welt zu Ihm aufsteigt.“
Wenn wir uns nicht einsetzen, wird Gott nicht in die Geschichte der Menschheit
eingreifen, denn Er will unbedingt unsere Mitarbeit. Wenn wir zu wenig
mitarbeiten, dürfen wir nicht Gott die Schuld geben, wenn Terror
und Verfolgungen in einem nie dagewesenen Ausmaß ausbrechen.
Vereinen wir uns deshalb in unserem Gebet und Opfer mit Maria der Miterlöserin.
Und lasst uns nach diesem Gebetstag mit ganz neuem Eifer beginnen, die
Miterlöserin bekannt zu machen und ihr Gebet zu beten. Der päpstliche
Theologe Georges Cottier sprach in
einer Weltvideokonferenz darüber, wie wichtig es ist, „Maria
als Miterlöserin zu verehren“. Nur wenn wir ihre miterlösende
Berufung im richtigen Licht verstehen, - sagt er, - können wir erkennen,
dass „jeder Getaufte dazu berufen ist, am Geheimnis der Erlösung
teilzuhaben.“ Der hl. Paulus hat dieses Geheimnis erkannt, als er
vom Kerker aus an die Kolosser schrieb: „Ich freue mich in den Leiden,
die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche,
ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi
noch fehlt.“(Kol 1,24-29)
Das Leben vieler heiliger Männer und Frauen bezeugt, welch große
Macht das Gebet und Opfer hat, das mit dem Erlösungsopfer Jesu Christi
vereint ist. So ist es nicht verwunderlich, wenn Satan alles unternimmt,
um die Verehrung der Miterlöserin zu unterbinden und so das Geheimnis
der Miterlösung zu ignorieren. Dies zu erkennen, soll für uns
ein Ansporn sein, für unsere Mutter, der wir nach Christus alles
verdanken, mutig und entschlossen einzustehen. Und zu tun, was sie uns
sagt:
„Nun denn, Völker, vertraut
auf eure Mutter, die doch ihre Kinder niemals verlassen hat! (31.5.1955)
Betet, Völker, mein Gebet, auf dass der Heilige Geist wirklich und
wahrhaftig komme!“ (4.4.1954)
Amen.
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